Weihnachtsbräuche im Odenwald

Neben dem Osterfest ist Weihnachten eines der bedeutendsten Feste des Christentums. Es ist ein Fest des Friedens und der Liebe und trägt dazu dabei, dass sich die ganze Familie wieder zusammenfindet. Jedes Jahr wird das Fest der Liebe von vielen verschiedenen Bräuchen begleitet, die sich aufgrund der unterschiedlichen Regionen nicht unbedingt ähneln.

Der Odenwald in Hessen ist für seine langen Traditionen bekannt, was auch insbesondere für die Weihnachtszeit gilt. Neben der spannenden Historie und den traditionellen Figuren, die der Odenwald zu bieten hat, gibt es auch in der Weihnachtszeit zahlreiche Bräuche, die längst nicht jedem bekannt sind.

Das Christkind im Odenwald

Gerade das Christkind zeichnet sich in den Dörfern im Odenwald durch eine lange Tradition aus. Die Dorfjugend versammelt sich jedes Jahr, um aus ihrer Mitte ein Christkind auszuwählen. In den meisten Fällen wird ein kleines Mädchen genommen, welches von der Stoppelgans oder dem Mehlweibchen begleitet wird. Dazu erhält es eine Lebensrute, die für ein langes Leben, Glück und Gesundheit steht. Das ausgesuchte Christkind und die Begleiter laufen dann am Weihnachtsabend von Haus zu Haus im gesamten Dorf und laden sie zum Mitkommen ein.

Eine Hausfrau, die vorher bestimmt wird, wartet an einer bestimmten Stelle des Dorfes auf die Gruppe und übergibt ihnen den Weihnachtsbaum sowie einen gut gefüllten Korb mit lauter weihnachtlichen Köstlichkeiten. Nun lässt das Christkind sein Glöckchen klingeln und die Kinder sagen abwechselnd Gedichte oder Gebete auf. Als Dankeschön erhalten sie Nüsse, Gebäck oder andere weihnachtlichen Süßigkeiten. Dieser Brauch wird allerdings nur noch auf den Dörfern im Odenwald gelebt, ansonsten ist er ziemlich in Vergessenheit geraten.

Der Odenwalder Pelznickel

Gerade zur Weihnachtszeit zeigen sich im Odenwald viele verschiedene christliche Traditionen, die in Verbindung mit dem christlichen Glauben stehen. Der 6. Dezember, also der Nikolaustag, spielt dabei eine ganz besondere Rolle, denn es ist der Pelznickel Tag. An diesem Tag sind meist die Jungen unterwegs, verkleiden sich mit langen Stiefeln und einem langen Mantel und erschrecken damit die Menschen.

Durch ihre langen Bärte sehen sie zum Teil furchterregend und unheimlich aus. Wenn ihnen Erwachsene begegnen, werden sie angebettelt, ihnen kleine Gaben zu geben. Sie gehen in die einzelnen Häuser, um dort von den Kindern Gedichte aufgesagt zu bekommen. Danach erhalten diese Nüsse und Äpfel als Dankeschön, bevor der Pelznickel weiterzieht.

Die Klopfnächte im Odenwald

Im Odenwald sind Weihnachtsbräuche in vielen Varianten auch heute noch sehr beliebt. Zu einem besonderen Brauch gehören die sogenannten Klopfnächte. Die Klopfnächte gibt es schon seit Jahrhunderten und sollten die Dämonen durch das laute Geräusch des Klopfens vertreiben. In der Regel wurde dieser Brauch drei Nächte vor Weihnachten durchgeführt.

In diesen Nächten verkleideten sich einige Menschen, liefen durch die Gassen und Straßen der Dörfer und klopften an die Türen. Aber auch Getreide oder kleine Steine wurden gegen Türen und Fenster geworfen, damit genügend Lärm entsteht, um die Dämonen zu vertreiben. Dieser Brauch hatte lange Zeit einen festen Bestandteil im Odenwald, doch hat sich dieser Weihnachtsbrauch im Laufe der Jahre abgewandelt. Während früher Bettler und Arme an die Türen geklopft haben, sind heute meist verkleidete Kinder unterwegs, die als Dankeschön Lebkuchen oder andere weihnachtliche Köstlichkeiten bekommen. Allerdings findet dieser traditionelle Brauch überwiegend auf den Dörfern statt, in den Städten ist er beinahe vollständig ausgestorben.

Weihnachtsbrauchtum im Odenwald