Kurrende holzfiguren aus dem Erzgebirge

By Norbert Kaiser  [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Kurrende – ungeübten Ohren scheint der Begriff gar fremd und doch sind Kurrende seit dem späten Mittelalter in der protestantischen Welt bekannt. Dereinst zogen bedürftige Schüler als laufender Chor (vom Lateinischen currrere = laufen) von Haus zu Haus und wünschten singend eine besinnliche Weihnachtszeit, wofür sie Geld erhielten. Gesang der Kurrende war allerdings auch zu weiteren Festen, wie Hochzeit, Taufe oder Beerdigung, gefragt.
Ursprünglich bestand der Chor nur aus Knaben im Alter zwischen 10 und 14 Jahren, was sich späterhin änderte.

Gelebte Tradition in Seiffen

Im Spielzeugdorf Seiffen im Erzgebirge hat sich diese schöne Erzgebirge Tradition erhalten. An allen Adventssonntagen ziehen die Mädchen und Jungen durch die Straßen und tragen mit ihren festlichen Gesängen herzliche Wünsche für besinnliche Weihnachten in jedes Haus.

Ihre charakteristische Kleidung aus schwarzem Umhang und einer runden, flachen Kappe hat sich in Form und Farbe seit etwa 1535 erhalten, als Seiffen zum protestantischen Glauben überging.

Erzgebirgische Volkskunst

Kurrende hielten 1935 ihren souveränen Einzug in die erzgebirgische Volkskunst – von Seiffen aus.
In besagtem Jahr gestaltete Max Schanz, Direktor der Seiffener Fachschule für Holzspielzeug und Holzgestaltung, aus fünf Kurrenden und einem Sternenträger inmitten zweier Bäume, zwei Häuschen und einer Kirche eine so markante Szenerie, dass sich bis heute Kunsthandwerker an seiner „Vorlage“ orientieren.
Auf der Weltausstellung 1937 in Paris erwarben Kurrende nach Schanz‘ Entwürfen hohe Auszeichnungen und auch heute gewinnen Kunsthandwerker aus dem Erzgebirge regelmäßig Preise für ihre hochwertigen, noch immer von Hand gefertigten Produkte.

Die Kurrende auf dem weihnachtlich-romantisch anmutenden Arrangement, welches als Set erwerblich ist, dürften sich heutzutage besonders heimisch fühlen, spazieren sie doch zwischen original Seiffener Gebäuden wie der pittoresken Bergkirche, dem alten Schulgebäude sowie dem charakteristischen Rathaus entlang. Laternen, wie sie im Seiffener Ortszentrum tatsächlich zu finden sind, erleuchten die Szenerie in einer atemberaubend idyllischen Weise, welche die besinnliche Weihnachtszeit direkt spüren lässt und unweigerlich Erinnerungen an die eigene Kindheit weckt.

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